Sabotage | Die Welt steht Kopf

Ich will einmal vor Freude weinen können und nicht, weil alles wieder einmal den Bach heruntergeht. Glücklich zu sein tut mir mehr weh als unglücklich zu sein, weil ich nicht weiß wie lange dieses Gefühl andauern wird und nur darauf warte bis ich wieder den festen Schlag in das Gesicht bekomme. Glücklich ist für mich mit enorm viel Angst verbunden, dass ich wieder etwas übersehen könnte. Nach dem kleinsten hochkommt das noch tiefere Tief. Ja, nicht zu viel erwarten. Ich will nicht mehr auf etwas vertrauen oder mich auf etwas verlassen, weil immer und immer wieder darauf reinfalle.



Egal was ich mache oder was ich nicht mache. Sobald etwas Gutes passiert, reißt mir etwas anderes den Boden unter den Füßen weg. Mir bleibt nichts anderes übrig als gute dinge vorher zu beenden bevor wieder etwas Schlimmeres passiert. Nach jedem positiven Schub kommt das Negative erwachen.

So als wenn man immer die Stufen weiter hinauf geht, immer und immer weiter.

Mit jeder Stufe steigt die Freude, endlich anzukommen, endlich dazustehen, wo man sein will und hingehört. Plötzlich ist da keine Stufe mehr und man befindet sich wieder im Freien Fall, bis der Aufprall kommt. Irgendwann will man die Stufen nicht mehr rauf gehen und man geht lieber wieder runter.


Ich verletze bewusst andere, die mir etwas bedeuten und zu nahe kommen. Für mich ist es einfacher gehasst als geliebt zu werden, um nicht noch mehr Schaden anzurichten und mir mehr erwarten zu können, weil gerade etwas zu perfekt ist, was ich mir wahrscheinlich wieder selbst eingeredet habe und dann doch nicht so ist.

Am Anfang habe ich immer das Gefühl, dass ich mich fallen lassen kann, ich fühle mich wohl und sicher. Trotzdem ist da immer die Angst im Hinterkopf.


Mittlerweile bin ich schon fast ein Profi darin, an mir selbst zu zweifeln und nicht glücklich sein zu können. Das Hirngespinst das ich es nicht verdient hätte ein Bestandteil von jemandes Leben sein zu können. Für mich besteht eine Beziehung schon eher daraus, permanent kämpfen zu müssen. Weil ich das Gefühl habe einfach nicht gut genug zu sein, sobald ich nicht mehr mein Bestes gebe, bekomme ich immer stärker dieses Gefühl und es kommt zu immer mehr Streitereien, die dem Gefühl noch mehr Futter geben.

Es ist fast schon wie ein Kreislauf. Sobald etwas nicht passt, konnte ich mir Vorwürfe anhören. Sobald ich müde und ausgelaugt war, hörte ich Sätze wie "mit dir kann man nichts unternehmen" "du schläfst nur andauernd" oder Ich wäre zu faul und permanent nur gereizt.


Ich habe mir viel zu oft schon mehr erwartet und Hoffnungen gemacht, aus dem Nichts wurde, ich fühlte mich einfach nur benutzt und ausgenutzt.

Zu viele Gefühle eingeredet, obwohl da nichts war und ich meinte, es beruht auf Gegenseitigkeit.


Ich schreibe Nachrichten und weiß ganz genau, dass ich die nie abschicken dürfte und trotzdem mache ich es, obwohl ich weiß, was ich anrichte. Mir fällt es mittlerweile leichter, gehasst als geliebt zu werden. Weil ich mir selbst den Druck abnehme, um etwas kämpfen zu müssen, was keinen Sinn ergibt und ich mich dabei selbst noch mehr verletze, um für jemanden "gut genug" zu sein.


Je höher ich meine Erwartungen schraube, umso schneller geht es mir dann nicht gut.

Ich versuche mich dann zurückzuziehen und genau das stoßt vielen dann schon sauer auf.

Warum ich mich zurückziehe, will wiederum niemand verstehen. Es gibt Momente da will und kann ich nicht Reden. Da will ich mich einfach nur in Nähe und ohne ein Wort zu sagen verkriechen. Energie aufladen, das Gefühl haben, dass sowas OK ist. Dass es OK ist, wenn ich mal nicht funktionieren muss.

Gezwungen zu werden, dass ich Reden MUSS oder Aussagen wie "wenn dir an mir etwas liegen würde dann..." geben mir das Gefühl, dass ich egal bin und keine Wahl habe als reibungslos zu funktionieren


Für mich ist es nach der Zeit schon nicht mehr zu ertragen, wenn andere meinen ich strahle oder dass ich glücklich aussehe, weil ich das anfangs immer war. Früher hat am Anfang auch immer alles "gepasst", weil ich es mir selbst eingeredet habe und für mich selbst, mehr erwartet habe.



Ich habe bewusst Menschen verletzt, weil ich mich dabei selbst verletzen wollte, um meine eigenen Erwartungen zu zerstörten. Besser früher als später. Sobald etwas von Anfang an zu perfekt ist, sabotiere ich mich selbst, sobald ich merke, ich vertraue und öffne mich zu viel, um meinen eigenen schaden zu begrenzen, der daraus entstehen könnte.


Es tut zwar anfangs enorm gut, das Gefühl zu haben jemanden in diese Richtung etwas wert und gewollt zu sein, dennoch kommt nach der Zeit plötzlich das "was wäre wenn..." und das Gedankenkarussell dreht sich schon im Kreis.


Situationen, in denen ich bei meinem EX auf der Rücksitzbank saß, als er mit seinem besten Freund auf dem Beifahrersitz redete, die vergessen haben dürften, dass ich auf der Rücksitzbank saß und der Satz viel "Ob er den "Amy Winehouse"-Verschnitt am Wochenende noch gev*gelt hat".

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Er nicht wollte, dass ich auf Ausflüge mitfahre, weil er mit einer anderen dort war und seine Eltern nichts von mir wussten.

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Wenn ich erzähle, was in meinem Kopf vor sich geht, weil ich meinem Freund vertrauen will, und er mich vor seinen Freunden bloß stellt.

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Ich in seiner Wohnung war und er mich nach Monaten seiner "Freundin" als bekannte vorgestellt hat.

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Er mit einer Frau in die Wohnung kommt mir sagt sie ist eine Arbeitskollegin, sie müsse duschen und er fährt sie dann heim, nur um kurz darauf von der Nachbarin dann schockiert angeschaut zu werden, mit den Worten "sie wusste nicht das wir noch zusammen sind, weil er die "Arbeitskollegin" vor dem Haus im Auto! Gev*gelt hat.


Solche Situationen haben sich eingebrannt, weil ich vertraut habe und einfach zu hohe Erwartungen hatte. Es ist, das plötzlich Gefühl, wenn es einen innerlich zerreißt, weil ich wieder vertraut habe. Das Gefühlschaos von Selbsthass, Trauer, Enttäuschung, dass mir kurz die Luft abschnürt und das "nach Luft schnappen" unmöglich macht. Als würde man auf dem trockenen Ertrinken.

Und immer wieder waren es Sätze wie "ich bin anders", "ich bin nicht dein EX" "vertrau mir doch mal", "du hast einfach bisher schlecht Erfahrungen gemacht" die mir wieder einen Schlag ins Gesicht beschert haben.

Ich werde lieber gehasst oder bin eine bittere Enttäuschung, als wenn ich es riskiere noch einmal etwas in diese Richtung durchmachen zu müssen.


Für mich fühlt es sich an, als wie wenn es nur einseitige Bemühungen sind, die mich nervlich fertig machen, weil von der anderen Seite keine Emotionen mehr kommen. Zärtlichkeiten fangen dann an Weh zu tun.


Ich bin kein Mensch, der viel Körperkontakt zu anderen will, im Gegenteil. Ich hasse es, wenn mich Personen berühren, mittlerweile vor allem Männer. Arm um die Schulter legen, sei es nur im "Scherz", generell Berührungen oder zu nahe kommen, ein absolutes No-Go für mich. Klar gibt es auch viele Frauen, von denen ich gerne Abstand halte und nicht berührt werden will.

Die Zeit im Lockdown in der Öffentlichkeit, weil sich doch so viele an den Sicherheitsabstand gehalten haben.


Ganz im Gegenteil zu meinem Partner, es trifft mich enorm, wenn ich mich auf jemanden einlasse und mir dann "zu viel einbilde", was entweder nicht auf Gegenseitigkeit beruht oder ich mir zu viel hineindenke. Umso schwerer fällt es mir, mich wirklich bei jemanden fallen lassen zu können. Zu vertrauen und sich auf jemanden verlassen zu können. Ich will mich in einer Partnerschaft sicher und geborgen fühlen können, meine Ansprüche sind auf Dauer anscheinend immer zu groß, weil es immer nur anfangs der Fall war. Es endet immer damit dass ich mich vor mir selbst ekel, weil ich jemanden wieder so nah an mich herangelassen hatte, der mir das Gefühl gab, ich bin nur ein Stück Fleisch

oder ich mich selbst Sabotiere, weil es für mich schon surreal ist, dass ich mich auf jemanden einlassen kann, weil alles viel zu gut passt, dass mir das zu denken gibt.