Die Angststörung hatte mich gut in Griff | Die Welt steht Kopf


Ich nehme seit einigen Wochen Medikamente gegen meine Angststörungen, Depression und Panikattacken.Ich bin selbst fasziniert und geschockt zugleich. Die Angststörung hatte mich ziemlich im Griff, was ich selbst nie so wahrgenommen hatte. Ich höre von meinem Bekanntenkreis regelmäßig, dass ich endlich nicht mehr so angespannt und um einiges Lockerer bin.

Ich spreche meine Gedanken besser aus als vorher und mir kommt es selbst vor als wie, wenn ich endlich meine Gedanken etwas besser Sortieren kann. Ich fühle mich Freier, kann mehr Lachen und ich komme viel besser aus mir heraus. Wenn ich daran zurückdenke was für einen „Kabelsalat“ ich stellen weiße im Kopf hatte, wo ich nicht mehr wusste, wie ich mich auf was Konzentrieren sollte und ich es einfach versuchte zu machen. Alleine irgendwo hingehen oder Einkaufen war für mich fast unmöglich. Telefonate waren der Horror, oft musste ich während des Gespräches überlegen, warum ich jetzt dort oder da angerufen habe und was eigentlich das Problem war. Autofahren machte mir nicht mal im geringsten mehr Spaß da ich oft bei Ampel Kreuzungen stand und das Gefühl hatte als hätte ich geparkt, mir war zwar bewusst, dass ich an einer Ampel stehe, aber ich hatte in dem Moment das Gefühl als wie wenn ich jetzt auf einen Parkplatz gestanden bin - es ist wirklich nicht einfach zu Erklären was da Gerade in meinem Kopf vorgeht, um es für andere Verständlich zu machen. Oder wenn ich in mein Auto eingestiegen bin und dann plötzlich da Sitze, ohne das Auto zu starten und mich selbst Frage was ich eigentlich gerade machen wollte.

Weil ich durch die Depression und ich einfach innerlich so viel Stress hatte, dass ich von diesem einfach nicht mehr heruntergekommen bin. Die einfachsten Dinge wie den Wassertank bei der Kaffeemaschine auffüllen. Ich bin oft genug mit dem Behälter im Schlafzimmer gestanden und wusste nicht mehr, ob ich mir gerade was anderes anziehen wollte und was ich eigentlich wollte. Es ist oft vorgekommen das ich mich mehr Mals umgezogen hatte, weil ich nicht mehr wusste, was ich eigentlich gerade wirklich machen wollte. Dass ich etwas durchgelesen habe aber ich konnte das nicht verarbeiten, ich wusste zwar es sind Buchstaben und Wörter zu Sätzen gereiht aber ich konnte das gelesene nicht annähernd verarbeiten. Oft genug habe ich etwas gesucht das mir vor der Nase gelegen ist aber ich habe es einfach nicht wahrgenommen. Oder etwas weggelegt, wo ich mir einbildete, ich hatte das doch gerade in der Hand, weil ich mich einfach nicht erinnern konnte das ich es weggelegt hatte. An der Kassa beim Zahlen, der Griff zur Geldtasche dann das Öffnen und zack aus, die Verwirrtheit "was wollte ich hier nochmal" "warum bin ich eigentlich hier“, "was wollte ich gerade“. Ich habe oft mitten im Satz aufgehört zum Reden, weil ich plötzlich einfach einen Blackout hatte und das Thema nicht mehr wusste und es fiel mir einfach nicht mehr ein. Dann Situationen wo mir das Reden kurz schwerfiel und es sich einfach anfühlte als würde man selbst gerade in Zeitlupe denken, sprechen, bewegen oder die Situation einfach gerade zu schnell vorbeiläuft und man das gerade einfach nicht verarbeiten kann. Wenn sowas ab und zu mal Vorkommt ist sowas ja kein Problem. Aber das sind jetzt nur ein paar der Situationen die mich enorm beeinträchtigen. Ja, jeder läuft mal in einen Raum und vergaß was er da gerade wollte, aber wenn das 30–40 mal am Tag passiert, dann ist das für einen selbst mehr als nur strapazierend. Mein Umfeld machte die Situation natürlich nicht besser, sondern verschlimmerte es nur noch. Wenn alles einfach zu viel wurde teilte mir das mein Körper wieder mit. Entweder mein Darm versucht es mir zu erklären oder wenn alles überhandnahm, bekam ich wieder Sensibilität und Motorik Probleme im gesamten linken Arm. Dieser setzte mich für sehr vieles natürlich auch wieder außer Gefecht, weil er dann einfach Tagelang taub war.

Bevor ich mit den Medikamenten begonnen habe war ich nicht mehr dazu fähig alleine mein Auto zu tanken. Ich stand oft Minuten bei meinem Tankdeckel. Ich sah ihn oft dann nur noch Minuten lang an, weil ich den Tankdeckel einfach nicht aufbekommen habe, entweder mein Beifahrer öffnete ihn oder wenn ich alleine war fuhr ich einfach wieder nach Hause. Ich war oft genug wegen den einfachsten Dingen schon aufgelöst, weil ich so verwirrt und desorientiert war, dass ich fast nichts mehr alleine schaffte. Ich hasste es, wenn ich alleine die Wohnung verlassen musste, weil ich so unsicher war. Ich kann es auch heute noch nicht leiden, wenn ich die Wohnung alleine verlassen muss. Ich fühle mich dann als wenn mir der Rückhalt fehlt. Einfach Hilflos und schutzlos. Was ist, wenn etwas passiert? Wie reagiere ich? Trotzdem merke ich, von Zeit zu Zeit, noch enorm stark den inneren Panikballon, der sich regelrecht aufbläht und kurz vor dem Platzen ist. Ich muss, trotz der Medikamente, denken wie es jetzt wäre, wenn der Ballon platzt. Wie ist es danach? Ist es dann schlimmer als ohne Medikamente? Wie stark wirken die Medikamente? Ist das überhaupt möglich? Wie reagiere ich in einer unerwarteten Paniksituation? Ich habe trotzdem noch immer ein enorm beklemmendes Gefühl, wenn ich alleine unterwegs bin. Es ist nach wie vor für mich eine enorm stressige Situation, in der ich plötzlich verwirrt und irritiert bin. Von den einfachsten dingen... Die Anfangszeit mit den Medikamenten war wirklich etwas ungewohnt für mich, da ich trotzdem Zeit weiße enorme innere Unruhe hatte und oft das Verlangen jetzt einfach aufzustehen und einfach woanders hinzugehen z. B. Beim Kaffee mit Freunden, wenn man gerade bestellt hat und plötzlich diese innere Unruhe packt. Dass man nur mehr aufstehen und gemeinsam gehen will, nicht wegen der Anwesenheit des Freundes. Sondern weil plötzlich einfach der unerträglich Drang auftaucht das ich diesen Ort einfach verlassen will, meistens ohne einen Ausschlaggebenden Grund. Ich habe auch früher schon angefangen das ich, sobald ich das Bestellte bekommen habe gleich bezahlte, weil ich dann nicht mehr warten musste, auch wenn ich mein Getränk noch nicht ausgetrunken hatte, das ich einfach aufstehen und gehen konnte. Dann die totale Appetitlosigkeit, wenn ich so durch Facebook oder Instagram scrolle und nur etwas zu Essen sah wurde mir schon übel. Das hat sich mit der Zeit jetzt auch sehr eingependelt. Ich glaube, ich habe seit ein paar Tagen wieder ein Hungergefühl, das ich seit Jahren nicht mehr hatte.

Durch die gesamten Umstände war es für mich schon ein Ding der Unmöglichkeit irgendwie nur zu schlafen. Nachdem ich mich mit Verzweiflung Stunden lang hin und her wälzte und das, obwohl man eigentlich enorm Müde ist. Aber man schafft es nicht einzuschlafen. Nach Wochen dieser Strapaze wünschte ich mir einzuschlafen und nicht mehr aufzuwachen. Wenn ich es dann nach Stunden endlich geschafft bin, plagten mich die schlimmsten Alpträume. Ich hatte keinen funken Lebensfreude mehr. Die reinste Qual war es für mich wieder aufzuwachen, immer und immer wieder wollte ich einfach nur Einschlafen und nicht mehr aufwachen. Ich nehme jetzt auch Medikamente zur Schlafförderung und Bekämpfung von Depression mit Angststörung, um in Ruhe schlafen zu können. Am Morgen danach fühlt es sich eher an als würde ich einfach nicht in Schwung kommen. Es ist nicht das ich jetzt Müde wäre, sondern nach dem Aufwachen einige Zeit einfach Schlaftrunken. Ich muss einige Stunden schon „wach“ sein, dass ich so wirklich wach fühle (nicht mal nach einigen Kannen Kaffee fühlte ich mich wach). Ich brauche zwar beim Einschlafen trotzdem noch etwas länger, aber ich habe dafür keine Alpträume mehr. Um ehrlich zu sein, kann ich mich auch nicht daran erinnern, dass ich in letzter Zeit allgemein etwas geträumt hätte. Für mich Persönlich natürlich ein sehr gelegener Nebeneffekt. Ab und zu fühlt es sich am Morgen auch an als hätte ich am Vortag zu tief ins Glas geschaut und einen Kater hätte.

Grob gesagt: Die ersten paar Stunden nach dem Aufstehen, bin ich zu nichts zu gebrauchen.

Mit den Medikamenten habe ich zwar etwas das Gefühl, als wie wenn ich freier bin und als wie wenn ich nicht mehr ganz so eingeschränkt bin aber es gibt halt trotzdem noch wirklich sehr viele Hemmungen, die mich Psychisch dennoch sehr stark belasten.